Grammatikfehler im Anschreiben vermeiden

Ein Anschreiben entscheidet in den meisten Fällen innerhalb von 30 Sekunden, ob eine Bewerbung weitergelesen wird oder im Stapel verschwindet. Personalerinnen und Personaler sehen täglich Dutzende Unterlagen, und sprachliche Fehler fallen sofort auf. Dabei geht es selten um komplizierte Konstruktionen. Die häufigsten Probleme sind einfache, aber hartnäckige Grammatikfehler, die sich durch die Bewerbung ziehen und einen unprofessionellen Eindruck hinterlassen.

Warum Sprachfehler im Anschreiben so schwer wiegen

Wer sich um eine Stelle bewirbt, signalisiert mit dem Anschreiben, wie sorgfältig er oder sie arbeitet. Grammatikfehler werden deshalb nicht als Kleinigkeit abgetan, sondern als Hinweis auf mangelnde Sorgfalt gewertet. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass formale Qualität der Bewerbungsunterlagen einen messbaren Einfluss auf die Einladungsquote hat. Das gilt besonders für Stellen, bei denen schriftliche Kommunikation zum Alltag gehört.

Hinzu kommt: Viele Fehler entstehen nicht aus Unwissenheit, sondern weil der eigene Text beim Korrekturlesen unsichtbar wird. Man liest, was man schreiben wollte, nicht was tatsächlich auf dem Papier steht. Deshalb lohnt es sich, typische Fehlermuster zu kennen und gezielt danach zu suchen.

Kasusform: Dativ und Akkusativ verwechselt

Eine der häufigsten Fehlerquellen ist die Verwechslung von Dativ und Akkusativ, also die falsche Wahl zwischen Formen wie „diesem“ und „diesen“. Das klingt simpel, aber in langen Sätzen verliert man leicht den Überblick, welches Nomen eigentlich regiert wird. Wer sich bei solchen Formen unsicher ist, findet auf Lexicanum eine ausführliche Erklärung zu Diesem oder diesen, die genau zeigt, wann welche Form korrekt ist. Im Anschreiben taucht das Problem oft in Formulierungen auf wie: „Mit diesem Unternehmen möchte ich…“ (Dativ, korrekt) versus „Ich bewerbe mich um diesen Stelle“ (falsch: „diese Stelle“, Akkusativ Feminin).

Praktischer Test: Wer unsicher ist, ersetzt das Demonstrativpronomen probeweise durch „dem“ oder „den“. Passt „dem“, steht das Nomen im Dativ und verlangt „diesem“. Passt „den“, ist Akkusativ Maskulin gefragt, also „diesen“. Bei femininen Nomen entfällt die Unterscheidung durch das Pronomen, dort hilft nur das Regelwissen zur Deklination.

Drei weitere typische Fehler im Anschreiben

1. Falsche Kommasetzung bei Infinitivgruppen

Sätze wie „Ich freue mich darauf von Ihnen zu hören“ kommen im Anschreiben fast immer vor. Korrekt wäre: „Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.“ Die Regel laut Duden ist eindeutig: Infinitivgruppen, die durch „darauf“, „dazu“, „darum“ oder ähnliche Pronominaladverbien eingeleitet werden, müssen durch ein Komma abgetrennt werden. Wer das nicht beachtet, produziert lesbare, aber grammatisch fehlerhafte Sätze.

2. Subjekt-Verb-Kongruenz bei Aufzählungen

Problematisch wird es, wenn mehrere Subjekte verbunden werden: „Meine Kommunikationsstärke und mein analytisches Denken hat mir in bisherigen Projekten geholfen.“ Das Verb muss im Plural stehen: „haben mir geholfen.“ Zwei verbundene Subjekte im Singular bilden zusammen ein Plural-Subjekt. Dieser Fehler rutscht leicht durch, weil das nächststehende Subjekt („mein analytisches Denken“) im Singular ist und das Verb dazu passend wirkt.

3. Reflexivpronomen falsch gesetzt

Sätze wie „Ich würde mich über eine Einladung zu einem Gespräch freuen“ sind Standard im Anschreiben. Problematisch wird es, wenn das Reflexivpronomen fehlt oder an falscher Stelle steht: „Ich würde über eine Einladung freuen“ ist schlicht unvollständig. Das reflexive Verb „sich freuen“ braucht das Pronomen. Ähnliches gilt für „sich bewerben“: „Ich bewerbe für die Stelle“ ist grammatisch falsch, korrekt ist „Ich bewerbe mich für die Stelle.“

Häufige Fehler auf einen Blick

Fehler Falsches Beispiel Richtige Form
Kasus (Dativ/Akkusativ) mit diesen Unternehmen mit diesem Unternehmen
Komma bei Infinitivgruppe Ich freue mich darauf von Ihnen zu hören Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören
Kongruenz bei Aufzählung Erfahrung und Motivation hat mich geprägt Erfahrung und Motivation haben mich geprägt
Fehlendes Reflexivpronomen Ich bewerbe für die Stelle Ich bewerbe mich für die Stelle

Genitivkonstruktionen und Nominalstil vermeiden

Ein weiteres Muster, das in Anschreiben häufig auftritt: übermäßiger Nominalstil gepaart mit fragwürdigen Genitivkonstruktionen. „Die Durchführung einer Überprüfung der Qualitätssicherung der Prozesse“ ist grammatisch nicht falsch, aber schwer lesbar und klingt bürokratisch. Für ein Anschreiben gilt: klare, aktive Formulierungen wirken überzeugender. „Ich habe Qualitätsprozesse überprüft und verbessert“ sagt dasselbe in einem Satz.

Die Leibniz-Institut für Deutsche Sprache dokumentiert in seiner Forschung, dass Nominalstil in der schriftlichen Alltagskommunikation zwar verbreitet ist, aber die Verständlichkeit messbar senkt. Im Anschreiben ist Verständlichkeit kein optionaler Bonus, sondern Grundvoraussetzung.

Korrekturlesen mit System

Wer das Anschreiben selbst Korrektur liest, sollte das nicht direkt nach dem Schreiben tun. Mindestens eine Stunde Abstand, besser eine Nacht, verbessert die Fehlerquote erheblich. Hilfreich ist außerdem das laute Vorlesen: Holprige Sätze und fehlende Kommata fallen beim Sprechen auf, die das stille Lesen übersieht.

  • Text laut vorlesen, um Satzbrüche zu hören
  • Jeden Satz einzeln auf Subjekt-Verb-Kongruenz prüfen
  • Alle Infinitivgruppen nach „darauf“, „dazu“, „darum“ mit Komma absichern
  • Reflexive Verben auf vollständige Pronomen kontrollieren
  • Kasusformen bei Demonstrativpronomen mit der Ersatzprobe testen

Eine zweite Person, die den Text liest, findet erfahrungsgemäß in 80 Prozent der Fälle mindestens einen Fehler, den der Autor oder die Autorin übersehen hat. Das ist keine Schwäche, sondern eine Eigenheit des menschlichen Lesens. Wer niemanden zur Hand hat, kann den Text in ein Textverarbeitungsprogramm mit aktivierter Grammatikprüfung kopieren, sollte den Vorschlägen aber nicht blind vertrauen, da automatische Korrekturen kontextsensitive Fehler regelmäßig übersehen.

Sprachlich saubere Bewerbungsunterlagen sind kein Selbstzweck. Sie zeigen, dass jemand in der Lage ist, schriftlich präzise zu kommunizieren. Das ist eine Kompetenz, die in fast jedem Berufsfeld gefragt ist und die sich durch sorgfältige Überarbeitung des eigenen Textes direkt unter Beweis stellen lässt.

Elena Vogel

Redakteur/in

Elena Vogel ist Bildungsexpertin und Hochschulberaterin mit Abschlüssen in Erziehungswissenschaften und Psychologie. Sie begleitet Studieninteressierte bei der Studienwahl und hat an drei deutschen Universitäten studiert. Auf Studier-Weiter.de teilt sie praktische Ratschläge rund um Studium, Lernen und Karriereplanung.

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